Logo svfaq.de: Häufig gestellte Fragen zum Thema: Wie gründe ich eine Schülerverbindung?

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Quelle: Studentenkurier 4/2002, S. 24–25

Schülerverbindungen erleben in Deutschland eine Renaissance

GDS-Mitglied Markus Gail begleitet das Entstehen von Schülerverbindungen durch das Internet

In den letzten Jahren wurden auffällig viele neue Schülerverbindungen gegründet. GDS-Mitglied Markus Gail, Turnerschaft Alsatia Straßburg zu Frankfurt a. M. im Coburger Convent, beobachtet dieses Phänomen seit einigen Jahren und unterstützt es mit einem Informationsangebot im Internet.

Studenten-Kurier: Wie kamen Sie dazu, sich so intensiv mit Schülerverbindungen zu befassen?

M. Gail: Ich hatte mich schon als Schüler entschieden, mir später mal eine Studentenverbindung anzuschauen, aber als es so weit war, ging mir auf, daß ich all das auch bereits als Schüler hätte haben können.

Worin besteht Ihr Projekt?

Ich stelle im Internet einen für jedermann verfügbaren Baukasten bereit, der alles enthält, was zur Neugründung einer Schülerverbindung notwendig ist. Es gibt bereits eine Sammlung häufig gestellter Fragen – eine sogenannte FAQ –, Texte für Werbematerial, Verweisungen auf nützliche Seiten im Internet usw. sowie einen paßwortgeschützten Bereich mit Musterkonstitution und -Comment, Aufgabenplänen, Briefvorlagen und vielen anderen Materialien. Das Angebot richtet sich an Mitglieder von Hochschulkorporationen und an Schüler gleichermaßen.

Welche Überlegung steht dahinter?

Das Korporationswesen in Deutschland gleicht einer Dame ohne Unterleib. Wir versuchen seit Jahrzehnten, das Hochschulkorporationswesen zu sichern, aber das wird nicht gelingen ohne einen tragfähigen Unterbau, d. h. ein funktionierendes Schülerverbindungswesen.

Da viele Abiturienten zum Studium ihre Heimatstadt verlassen, wäre ein Netz von Schülerverbindungen in ganz Deutschland wünschenswert. Jede einzelne existierende Schülerverbindung erhöht die Überlebenschancen jeder einzelnen Hochschulkorporation in Deutschland. Ein solches Netz kann aber nur durch viele lokale Einzelinitiativen entstehen.

Ich möchte den Anstoß für solche Initiativen geben und deren Arbeit erleichtern. Deshalb biete ich die Informationen allgemein zugänglich im Internet an und überlasse die weitere Entwicklung sich selbst.

Was muß man bei einer Neugründung beachten?

In der Vergangenheit haben immer wieder einzelne Studentenverbindungen versucht, eigene Schülerverbindungen zu etablieren, aber das hat nicht funktioniert. Verbindungen dieser Art scheitern, als wäre es ein Naturgesetz, nach rund fünf Jahren.

Ein entscheidender Grund dafür ist, daß es nicht gelingt, Altherrensöhne verschiedener Verbindungen und Verbände für die neugegründete Verbindung zu gewinnen. Ursachen dafür wiederum sind politische oder religiöse Ausrichtung und vor allem mangelnde Unabhängigkeit von studentischen Verbindungen.

Mein Ansatz besteht deshalb darin, ganz pragmatisch das zu tun, was funktioniert, und das sein zu lassen, was nicht funktioniert. Im Ergebnis läuft es auf eine Schülerverbindung hinaus, die ihre Mitglieder auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung verpflichtet, politisch und religiös neutral ist, nicht ficht, und nicht auf eine bestimmte Hochschulkorporation oder einen bestimmten Hochschulkorporationsverband hin ausgerichtet ist.

Es ist wichtig, als regelmäßige Nachwuchsquelle Altherrensöhne zu gewinnen. Eine einzelne Hochschulverbindung wird aber niemals ständig genügend Altherrensöhne im richtigen Alter vor Ort haben, um einer Schülerverbindung immer wieder Nachwuchs zuzuführen. Man tut daher gut daran, ein solches Vorhaben nicht alleine zu versuchen, sondern von Anfang an verbändeübergreifend zusammenzuarbeiten, nicht nur in Hochschulorten, sondern auch in der Fläche, überall, wo es Gymnasien gibt.

In Deutschland gibt es jakeine Kluft zwischen schlagenden und nichtschlagenden Verbindungen – von bestimmten isolierten Verbindungen mal abgesehen –, und die Aktiven der unterschiedlichen Verbindungen am Ort kennen sich ja häufig ohnehin bereits, so daß es in der Regel keine ernstzunehmenden Vorbehalte für eine Zusammenarbeit geben wird, von denen alle sowieso nur profitieren können. Alte Herren können zu den nahegelegenen Altherrenstammtischen anderer Verbände Kontakt aufnehmen. Über die Adressen erteilen die Büros der Korporationsverbände Auskunft.

Wie kann man mit den zu erwartenden Interessenkonflikten umgehen?

Es spricht vieldafür, daß eine offen konzipierte und durch Angehörige verschiedener Verbände gegründete Schülerverbindung für die eigene Hochschulkorporation im Laufe der Zeit viel mehr Nachwuchs produziert als eine nach eigenem Vorbild geschaffene Keilblase, die nach ein paar Jahren eingeht. Am besten sollte man jedoch alle Hoffnungen, selbst Nachwuchs aus einer Schülerverbindung zu ziehen, soweit wie irgend möglich zurückdrängen und ganz die Überlegung in den Vordergrund stellen, wie man der zu gründenden Schülerverbindung zum Erfolg verhilft.

Da allerdings immerwieder die Versuchung aufkeimen wird, doch für die eigene Hochschulkorporation zu keilen, ist es ratsam, sich selbst und allen anderen diese Möglichkeit von vorneherein abzuschneiden, indem man der neugegründeten Schülerverbindung ins Stammbuch schreibt, was von einer Studentenverbindung zu halten ist, die bei einer Schülerverbindung offensiv keilt. Das sichert allen Beteiligten dieselben Chancen und ist die Voraussetzung für das notwendige Vertrauen.

Mir ist klar, daß dies allesmanche Studentenverbindung nicht daran hindern wird, selbst einmal die Fehler auszuprobieren, die andere bereits gemacht haben. Den betroffenen Studentenverbindungen ist nur zu raten, ihre Strategie zu überdenken, bevor es zu spät ist, und den betroffenen Schülerverbindungen ist zu raten, sich möglichst schnell abzunabeln.

Worin betehen die ersten Schritte bei einer Neugründung?

Hat man sich an einenTisch gesetzt und über das Grundsätzliche verständigt, kann die Arbeit beginnen. Als Grundlage können die von mir im Internet bereitgestellten Unterlagen dienen. Musterkonstitution und -Comment wurden in enger Zusammenarbeit mit Angehörigen traditionsreicher und hochangesehener Schülerverbindungen erarbeitet und werden bestimmt Konsens finden.

Zum frühestmöglichen Zeitpunkt sollte man für die zu gründende Schülerverbindung einen Internet-Auftritt ins Netz stellen und bekanntmachen. Es ist gut möglich, daß man allein durch das Vorhandensein eines solchen Internet-Auftritts erste Interessenten findet. Zur späteren Nachwuchswerbung ist ein solcher Internet-Auftritt ohnehin unerläßlich.

Alles weitere ist den Seiten unter www.svfaq.de im Internet zu entnehmen.

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